Fluoreszierende Beleuchtung, die leicht flackert. Das Piepen der Kassen im Sekundentakt. Eine Durchsage über Lautsprecher. Der Geruch der Backstation. Enge Gänge, Menschen, Einkaufswagen, die aneinander reiben. Für viele ist das ein gewöhnlicher Einkauf am Dienstagvormittag. Für andere ist es ein sensorischer Hindernislauf, der Energie kostet, die danach fehlt.
Diese Erfahrung ist unter neurodivergenten Menschen, besonders bei Autismus, AuDHS und manchen Formen von ADHS, weit verbreitet. Und sie wird häufig unterschätzt, weil sie von außen nicht sichtbar ist.
Was im Nervensystem passiert
Menschen nehmen ihre Umgebung über die Sinne wahr. Was dann mit diesen Signalen passiert, wie stark sie gewichtet, gefiltert und verarbeitet werden, ist individuell sehr unterschiedlich. Bei manchen neurodivergenten Menschen ist der Filterprozess weniger selektiv. Reize, die andere automatisch ausblenden, bleiben präsent. Geräusche, Licht, Gerüche, Berührungen, sie alle konkurrieren gleichzeitig um Aufmerksamkeit.
Es ist nicht Empfindlichkeit im Sinne von Schwäche. Es ist eine andere Wahrnehmungsschwelle, mit realen Konsequenzen im Alltag.
Mit Überempfindlichkeit im umgangssprachlichen Sinn hat das nichts zu tun. Der Supermarkt ist tatsächlich laut, nur dass das Nervensystem der einen Person das Geräusch deutlich stärker registriert als das einer anderen. Beide nehmen dieselbe Umgebung wahr, aber nicht auf dieselbe Weise.
Wenn der Alltag mehr kostet
Das Besondere an sensorischer Verarbeitung ist, dass sie im Hintergrund läuft, also auch dann, wenn man gerade mit etwas anderem beschäftigt ist. Wer in einem lauten Supermarkt einkauft und gleichzeitig eine Liste im Kopf behält, bezahlt, freundlich auf eine Frage reagiert und den Überblick behält, leistet mehr parallele Verarbeitungsarbeit als jemand, dessen Nervensystem die Hintergrundreize automatisch dämpft.
Manche Menschen sind nach scheinbar gewöhnlichen Erledigungen erschöpft. Die Aufgabe selbst war nicht kompliziert, aber der sensorische Kontext, in dem sie stattfand, hat zusätzliche Ressourcen verbraucht.
Keine Übertreibung, kein Charakterzug. Eine Konsequenz davon, wie das Gehirn Reize verarbeitet. Wer das an sich erkennt, kann solche Situationen bewusster planen, die Tageszeit wählen, den eigenen Zustand berücksichtigen, einen Puffer danach einplanen.